Enterprise 2.0

Ein Blog über den Einsatz von Social Media in Organisationen

Das amputierte Verständnis von Enterprise 2.0

| Keine Kommentare

In den letz­ten Tagen fiel mir mal wie­der fol­gende Redu­zie­run­gen auf: Web 2.0 und Enter­prise 2.0 seien Tech­nik. Dies sieht man z.B. an Defi­ni­ti­ons­ver­su­chen wie der von Nil­o­fer Mer­chant: „And­rew McA­fee, the Har­vard pro­fes­sor, coi­ned the term Enter­prise 2.0 about six years ago, and the empha­sis was on the on soft­ware tools and plat­forms that increase infor­ma­tion flow. The idea was that if we use social tools, we would share infor­ma­tion fre­ely wit­hin the orga­niza­tion, and exter­nal mar­ket­pla­ces. The spe­ci­fic defi­ni­tion in his book of the same name was how “how the Web 2.0” tech­no­lo­gies could be used on orga­niza­ti­ons’ intra­net and extra­nets”. It’s like descri­bing elec­tri­city by descri­bing the wires instead of the light — it’s a technologist’s point of view .”

Ich glaube, der unter­stellte Fokus auf die Tech­nik erfolgt, um einen eige­nen Begriff (#Socia­lEra) zu eta­blie­ren. Dies ist nicht ziel­füh­rend, da dies den Tech­nik­de­ter­mi­nis­ten in die Hände spielt. Tech­nik­de­ter­mi­nis­ten sind Leute, die mei­nen, die Tech­nik deter­mi­niere das Han­deln der Nut­zer. So ein Ver­ständ­nis wider­spricht den Grund­prä­mis­sen von Web 2.0 und ist ein Haupt­grund für das Schei­tern von Enter­prise 2.0-Projekten inner­halb von Organisationen.

Um es deut­li­cher zu machen: wenn man über die Tech­nik in Orga­ni­sa­tio­nen spricht, dann nutzt man Umschrei­bun­gen wie Web 2.0-Anwendungen im Bereich Enter­prise 2.0. Hin­ter dem Begriff steckt also mehr als die Tech­nik. Enter­prise 2.0 umschreibt pri­mär den Ein­satz von Web 2.0-Anwendungen in Orga­ni­sa­tio­nen und dies soll der Stei­ge­rung von Effi­zi­enz und Effek­ti­vi­tät die­nen, wäh­rend­des­sen Web 2.0 die ver­än­derte Nut­zung des Inter­nets skiz­ziert und damit sich auf die inter­ak­tive Nut­zung des Inter­nets fokus­siert (Jäger/Petry 2012, S. 21). Es geht als um den Ein­satz der Tech­nik und nicht um die Tech­nik selbst.

Der Begriff Enter­prise 2.0 ist somit nicht beschränkt auf die Web 2.0-Anwendungen, son­dern umfasst eine bestimmte Unter­neh­mens­kul­tur, die den effek­ti­ven Ein­satz der neuen Anwen­dun­gen ermög­licht. Diese Kul­tur stehe häu­fig im Wider­spruch zu klas­si­schen Unter­neh­mens­kul­tu­ren. In der neuen Kul­tur sei zum Bei­spiel Wis­sen nicht mehr pri­mär ein Macht­fak­tor, son­dern zum Tei­len da oder es wird nicht aus­schließ­lich Top-Down kom­mu­ni­ziert, son­dern bereichs­über­grei­fend in alle Rich­tun­gen, wobei Hier­ar­chie­stu­fen auch manch­mal aus­ge­las­sen wer­den (vgl. Gra­fik & Schre­cken­bach 2012, S. 126).

Jäger und Petry sehen den ent­schei­den­den ökono­mi­schen Unter­schied zwi­schen frü­her und Gegen­wart in der ver­än­der­ten Stra­te­gie zur Wert­stei­ge­rung. Frü­her sei Wert­stei­ge­rung erfolgt, indem der Input bei gelich­blei­ben­den Out­put mini­mi­niert wurde, wohin­ge­gen heute der Out­put maxi­miert wird und der Input gleich bleibt. Dies bedeu­tet bei Enter­prise 2.0 stehe nicht die „kom­mu­ni­ka­tive Ratio­na­li­sie­rung, son­dern der kom­mu­ni­ka­tive Mehr­wert im Vor­der­grund“ (Jäger/Petry 2012, S. 24).

Sowohl die kul­tu­relle, als auch die ökono­mi­sche Dimen­sion der letz­ten zwei Absätze, gehen bei einer tech­no­lo­gi­schen Fokus­sie­rung des Begrif­fes ver­lo­ren. In Luh­mann­schen Wor­ten könnte der Begriff Enter­prise 2.0 wie folgt umschrie­ben wer­den:
Web 2.0-Anwendungen geben durch die Pro­gram­mie­rung einen Mög­lich­keits­raum vor, in dem soziale Sys­teme ent­ste­hen. Diese Sys­teme han­deln die Nut­zer in der all­täg­li­chen Pra­xis selbst aus.

Genau des­halb ist eine Prä­misse des Enter­pise 2.0 die Nut­zungs­of­fen­heit. Dies ist der Mehr­wert von Enter­prise 2.0. Es ent­steht Neues, Unbe­dach­tes, die Orga­ni­sa­tion wird fle­xi­bler. Eine exakte Vor­aus­sage der Art und Weise, wie Tech­nik in einem Unter­neh­men genutzt wird, kann es dem­nach nicht geben. Eine Deter­mi­nie­rung der Art und Weise von Tech­nik­nut­zung schafft kei­nen Mehr­wert. Dann kön­nen wir näm­lich bei den Tech­no­lo­gien des Web 1.0 blei­ben und die Unter­schei­dung zwi­schen 1.0 und 2.0 wäre sinnlos.

Zu die­ser Erkennt­nis passt fol­gen­des Zitat von Ben­ja­min Rob­bins, der sich auf Vala Afs­har bezieht: “The cul­tu­ral shift isn’t a tech­ni­cal issue but a phi­lo­so­phi­cal one, accor­ding to Afs­har. “The CIOs I talk to who are strugg­ling with BYOD, they are not strugg­ling with BYOD; they are strugg­ling with phi­lo­so­phi­cal issues. They’re still in old-school command-and-control mind­set; lock ever­y­thing down, it’s got to be on an audi­ted and appro­ved equip­ment list”.

Teile Diese Icons ver­lin­ken auf Book­mark Dienste bei denen Nut­zer neue Inhalte fin­den und mit ande­ren tei­len kön­nen.
  • Facebook
  • Twitter
  • XING
  • LinkedIn
  • Google Bookmarks

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.