Enterprise 2.0

Ein Blog über den Einsatz von Social Media in Organisationen

Der Mythos der 100 Prozent im Internet

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In einigen Gesprächen ist mir aufgefallen: Häufig herrscht der Glaube vor, dass Anwendungen im Internet von den Menschen gleich genutzt werden. Diese Vorstellung gipfelt in dem Wunsch, Anwendungen so zu programmieren, dass Handlungen der Nutzer vorausgesagt werden können. Bei genauerer Betrachtung erweist sich dieser Glaube als absurd.

Facebook ist z. B. eine Plattform, die viele Angebote kombiniert und schon deshalb sehr unterschiedlich verwendet wird. Ein Politiker nutzt sie u.a. zur Verkündung von Positionen, die Jugendliche zum Flirten und der Onkel zum Spielen von Onlinegames. Selbst wenn Web 2.0 Anwendungen nur eine Funktion wahrnehmen, wie das Diskutieren in einem Forum, gibt es ein unterschiedliches Nutzungsverhalten. Der eine schreibt fleißig Kommentare, der andere liest nur, die dritte stimmt regelmäßig über Beiträge ab und die vierte Nutzerin gebraucht alle Möglichkeiten der Anwendung.

Dies ist keine große Erkenntnis. Die Konsequenzen die sich daraus ergeben, sind jedoch enorm. Es kann nur schwer erfasst werden, wie viele Nutzer eine Anwendung nutzen, ohne Spuren in Form von Kommentaren oder Beiträgen zu hinterlassen. Dies erschwert die Bewertung der Nützlichkeit von Web 2.0 Anwendungen.

Ein anderes Problem ist, dass Anwendungen jeweils von bestimmten Gruppen primär genutzt werden. Fachexperten tendieren z. B. zu Wikis, wo sie ihr Fachgebiet diskutieren können. Einfache Mitarbeiter in Unternehmen verwenden Anwendungen als Ventil, um Probleme aus der alltäglichen Arbeit zu artikulieren. Dies erfolgt oft in einem rüden Tonfall. Die früheren Stammtischgespräche werden ins Internet bzw. Intranet übertragen. Ältere Mitarbeiter dagegen meiden aus Angst oder Unverständnis häufig komplett Social Media im Internet.

Der kurze Beitrag zeigt, es gibt innerhalb einer Anwendung aber auch zwischen den Anwendungen ein sich ausdifferenzierendes Nutzungsverhalten. Dieses Verhalten ist auch noch abhängig vom Kontext, in dem eine Anwendung eingesetzt wird. In einem Unternehmen mit vielen sensiblen Daten muss z. B. ein Wiki ganz anders eingeführt und gebraucht werden, als in kleinem Startup.

Das konkrete Verhalten der Nutzer von Social Media ist deshalb nur schwer vorherzusagen. Es gibt unzählige Faktoren, die das Verhalten beeinflussen, weshalb es sehr schwer ist, Anwendungen zu programmieren, die von vielen Menschen auf der gleichen Art und Weise genutzt werden.

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