Enterprise 2.0

Ein Blog über den Einsatz von Social Media in Organisationen

Gibt es durch Enterprise 2.0 / Social Business wirklich mehr Dialog?

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Social Busi­ness ermög­licht, dass es neue Dia­log– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten gibt und sogar alle in einer Firma mit­ein­an­der reden. Aus einer hier­ar­chi­schen Kom­mu­ni­ka­tion wird eine dia­lo­gi­sche. Dies sind ein paar Ein­schät­zun­gen, die man im Kon­text von Enter­prise 2.0 und Social Busi­ness immer wie­der hört. Gibt es wirk­lich mehr Dia­log? Die­ser Frage will ich in die­sem Bei­trag nach­ge­hen, der im Rah­men der Vor­stel­lungs­reihe der Ergeb­nisse mei­ner Dis­ser­ta­tion steht.

Grund­sätz­lich kann gesagt wer­den, dass die dia­lo­gi­sche Kom­mu­ni­ka­tion bzw. der Aus­tausch über Pro­bleme und Neu­ig­kei­ten das Pro­blem des man­geln­den Infor­ma­ti­ons­er­halts bear­bei­tet. Es man­gelt beson­ders an einem Aus­tausch über Abtei­lungs– und Hier­ar­chieg­ren­zen hin­weg. Die Dis­kus­sio­nen um die Silos in Unter­neh­men ver­deut­licht dies ein­drucks­voll. Dies ist kein neues Phä­no­men, son­dern einem hier­ar­chi­schen Sys­tem der Arbeits­tei­lung inhä­rent. Mit­ar­bei­ter bear­bei­ten die­ses Pro­blem durch eine dia­lo­gi­sche Kom­mu­ni­ka­tion. Frü­her war diese Art der Kom­mu­ni­ka­tion auf Mee­tings, dem Gespräch auf dem Flur oder dem Tratsch beim Mit­tag­es­sen beschränkt. Etwas wis­sen­schaft­li­cher for­mu­liert: Vor dem Ein­satz von Enter­prise 2.0 erfolgte die dia­lo­gi­sche Kom­mu­ni­ka­tion bei Inter­ak­tio­nen unter Anwe­sen­den oder per Tele­fon. Der Aus­tausch war somit zeit­lich und räum­lich limitiert.

Die Begren­zun­gen der dia­lo­gi­schen Kom­mu­ni­ka­tion sind gar nicht stark genug ein­zu­schät­zen. In einem Inter­view in mei­ner Dis­ser­ta­tion beschreibt Frau Y ihr Ver­hält­nis mit ihrer Vor­ge­setz­ten Frau Sprin­ger wie folgt:

Das Bei­spiel zeigt, es bedarf eines for­ma­len Rah­mens (Gespräch über leis­tungs­ori­en­tierte Bezah­lung), um über­haupt in eine dia­lo­gi­sche Kom­mu­ni­ka­tion mit der direk­ten Vor­ge­setz­ten zu kom­men. Die Gesprä­che haben eigent­lich den Zweck der Ziel­ver­ein­ba­rung und der Prü­fung des Errei­chens von frü­he­ren Zie­len. Frau Y nutzt diese Gesprä­che jedoch nicht pri­mär für die­sen Zweck, son­dern zum Anspre­chen von Pro­ble­men, weil es sonst nicht mög­lich ist. Das Bei­spiel ver­deut­licht, wie stark kom­mu­ni­ka­tive Hier­ar­chieg­ren­zen sein kön­nen. Diese exis­tie­ren, obwohl sich die bei­den Damen schein­bar gut verstehen.

In klei­nen Orga­ni­sa­tio­nen sind die Begren­zun­gen meis­tens kein Pro­blem, da dort Mit­ar­bei­ter leich­ter ins Gespräch mit ihren Vor­ge­setz­ten kom­men. In grö­ße­ren Orga­ni­sa­tio­nen neh­men die Zwänge der sach­li­chen, zeit­li­chen und sozia­len Beschrän­kung (vgl. Luh­mann 1969) zu, wes­halb regel­mä­ßige dia­lo­gi­sche Kom­mu­ni­ka­tio­nen mit allen Mit­ar­bei­tern schwie­ri­ger und ab einer bestimm­ten Größe unmög­lich wer­den. Zur Bear­bei­tung der Beschrän­kun­gen kann Enter­prise 2.0 die­nen. Der infor­melle Aus­tausch im tech­ni­schen Ver­brei­tungs­me­dium Enter­prise 2.0 hat die glei­che Funk­tion, wie der Aus­tausch wäh­rend der Inter­ak­tion unter Anwesenden.

Mit dem Ein­satz von Enter­prise 2.0 wer­den die Mög­lich­kei­ten der dia­lo­gi­schen Kom­mu­ni­ka­tion für den Infor­ma­ti­ons­er­halt und den Aus­tausch über Pro­bleme erwei­tert. Es kommt zu einer Stei­ge­rung der Kom­mu­ni­ka­tion über die Hier­ar­chie– und Silo­gren­zen hin­weg. Der Unter­schied ist, dia­lo­gi­sche Kom­mu­ni­ka­tion fin­det nicht nur im Medium Spra­che son­dern auch über tech­ni­sche Ver­brei­tungs­me­dien im Medium Schrift statt. Der infor­melle Aus­tausch kann von der phy­si­schen Anwe­sen­heit der Inter­ak­ti­ons­teil­neh­mer ent­kop­pelt wer­den. Dies bedeu­tet, nicht nur auf Tref­fen kann gemein­sam an Pro­ble­men gear­bei­tet oder Infor­ma­tio­nen aus­ge­tauscht wer­den, son­dern auch die Web 2.0-Anwendungen bie­ten diese Chance. Die Betei­lig­ten müs­sen dafür nicht am glei­chen Ort sein.

Warum wer­den durch den Ein­satz von Enter­prise 2.0 die kom­mu­ni­ka­ti­ven Gren­zen leich­ter durch­bro­chen? Dies ist mög­lich, weil die für dia­lo­gi­sche Kom­mu­ni­ka­tion hin­der­li­chen Fak­to­ren Raum und Zeit durch Enter­prise 2.0 abge­baut wer­den. Sobald ein Inter­net­zu­gang besteht, ist es unwich­tig, wo die Interak­tan­ten sich vor dem Lap­top oder Smart­phone befin­den. Der Dia­log nimmt auf hori­zon­ta­ler, aber auch auf ver­ti­ka­ler Linie eines Unter­neh­mens zu. Dies bedeu­tet jedoch nicht, dass Web 2.0-Anwendungen immer eine zufrie­den­stel­lende dia­lo­gi­sche Kom­mu­ni­ka­tion zulässt oder es nur noch dia­lo­gi­sche Kom­mu­ni­ka­tion geben wird. End­lose Dis­kus­sio­nen wer­den bei­spiels­weise durch die Ein­stell­op­tio­nen der Web 2.0-Anwendungen unter­bun­den. (Wei­tere Ein­schrän­kun­gen wer­den im Thema 6 die­ser Arti­kel­reihe in ein paar Tagen gepos­tet) Außer­dem wird es neben der dia­lo­gi­schen Kom­mu­ni­ka­tion wei­ter­hin for­male Kom­mu­ni­ka­tion geben. Vor­ge­setzte und die Füh­rungs­spitze eines Unter­neh­mens müs­sen wei­ter­hin die eigene Ent­schei­dungs­kom­mu­ni­ka­tion täti­gen. Für mich ist es eine offene Frage, wie das opti­male Wech­sel­ver­hält­nis die­ser Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ar­ten (dia­lo­gi­sche ver­sus for­male Kom­mu­ni­ka­tion) im Zeit­al­ter des Social Busi­ness aus­se­hen wird. Habt Ihr Ideen oder Wunschvorstellungen?

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