Enterprise 2.0

Ein Blog über den Einsatz von Social Media in Organisationen

Lektion 4: Web 2.0 — Risiken und Chancen der betrieblichen #Mitbestimmung

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Unter­neh­men und Betriebs­räte kön­nen sich den Ver­än­de­run­gen, die durch das Inter­net­zeit­al­ter aus­ge­löst wer­den, nicht ent­zie­hen. Die immer stär­kere Ver­net­zung der Mit­ar­bei­ter unter­ein­an­der, ver­ein­fachte Orga­ni­sa­ti­ons­mög­lich­kei­ten, neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­näle und  die For­de­rung nach mehr Mit­spra­che von ein­fa­chen Mit­ar­bei­tern sind Ent­wick­lun­gen, die für Betriebs­räte Risi­ken aber auch Chan­cen bieten.

Durch Wikis und Blogs bil­den sich neue Netz­werke, die zunächst nicht in die Arbeit der Betriebs­räte ein­ge­bun­den sind. Wis­sens­ar­bei­ter, die keine große Nähe zu Gewerk­schaf­ten und Betriebs­räte haben (Schwemmle 2003), nut­zen beson­ders häu­fig Wikis und Blogs. Sie orga­ni­sie­ren nicht nur ihre Arbeit über Wikis, son­dern auch ihre Inter­es­sen inner­halb des Unter­neh­mens. Ent­wick­lun­gen und Pro­zesse im Unter­neh­men kön­nen über diese Anwen­dun­gen beein­flusst wer­den. Dies ist eine Gefahr für Betriebs­räte, weil Inter­es­sen über neue Kanäle wahr­ge­nom­men wer­den, an denen sie even­tu­ell nicht teil­neh­men. Außer­dem ver­lie­ren Betriebs­räte ihren Infor­ma­ti­ons­vor­sprung, den sie gegen­über ande­ren Akteu­ren haben. Betriebs­räte kön­nen Wikis und Blogs aber auch für die eigene Arbeit nut­zen oder ent­stan­dene Grup­pen in die eigene Arbeit mit ein­be­zie­hen. Wikis sind z.B. ein gutes Werk­zeug, um Kon­zepte gemein­sam mit vie­len Mit­ar­bei­tern aus­zu­ar­bei­ten. Blogs machen die eigene Arbeit trans­pa­rent, wodurch Mit­ar­bei­ter für Betriebs­rats­the­men sen­si­bi­li­siert und begeis­tert wer­den können.

Durch die vie­len Web 2.0 Anwen­dun­gen und den Ver­net­zungs­mög­lich­kei­ten wird das Orga­ni­sie­ren von Anlie­gen leich­ter und auch trans­pa­ren­ter. Über soziale Platt­for­men kann gegen unlieb­same Ent­schei­dun­gen oppo­niert wer­den. Ganz unter­schied­li­che Grup­pen kön­nen im Unter­neh­men diese Mög­lich­kei­ten nut­zen. Betriebs­räte könn­ten z.B. durch digi­tale Abstim­mungs­tools Urwah­len inner­halb von 24 Stun­den orga­ni­sie­ren und durch­füh­ren. Stim­mungs­bil­der kön­nen über Anwen­dun­gen wie direktzu ein­ge­holt wer­den. Bei erfolg­rei­cher Nut­zung der Web 2.0-Anwendungen kön­nen Betriebs­räte die eigene Arbeit und Reak­ti­ons­fä­hig­keit deut­lich beschleu­ni­gen und ihre Schlag­kraft mas­siv erhöhen.

Web 2.0 bringt viele Vor­teile. Ein wesent­li­cher – egal ob gewollt oder nicht gewollt – ist die Mög­lich­keit der brei­ten Mit­ge­stal­tung. Das Mit­spra­che­recht wird immer akti­ver von Mit­ar­bei­tern ein­ge­for­dert, wes­halb es nicht mehr aus­reicht zu infor­mie­ren. Dies bedeu­tet nicht, dass Hier­ar­chien ver­schwin­den, son­dern die Art und Weise der Zusam­men­ar­beit ändert sich. Abtei­lungs– und Hier­ar­chie­über­grei­fend, als auch trans­na­tio­nal, wird zusam­men gear­bei­tet. Betrieb­li­che Pro­zesse wer­den dadurch offe­ner, wodurch Mög­lich­kei­ten der Mit­ge­stal­tung und des sich Ein­brin­gens entstehen.

Die Mög­lich­keit der Mit­wir­kung und Betei­li­gung sind Attrak­ti­vi­täts­merk­male für Unter­neh­men. Die Mit­wir­kung durch Web 2.0 erfolgt nicht mehr aus­schließ­lich auf klas­si­schem Wege. Wenn Betriebs­räte die neuen Mög­lich­kei­ten nicht nut­zen, dann sind sie eine große Gefahr für ihre bis­he­rige Bedeu­tung. Gleich­zei­tig lie­fern sie Poten­ziale für Betriebs­räte, da fast jede Anwen­dung des Webs 2.0 eine Form von Mit­wir­kung ent­hält. Betriebs­räte kön­nen die Anwen­dun­gen für eigene Anlie­gen nut­zen. Zu beach­ten ist dabei, dass die Anwen­dun­gen nicht auto­ma­tisch Mit­be­stim­mung brin­gen. Betriebs­räte und Mit­ar­bei­ter müs­sen die Mög­lich­kei­ten nut­zen, die gebo­ten wer­den und sie in die gege­ben Unter­neh­mens­struk­tu­ren ein­bauen. Struk­tu­ren wer­den nicht von den Anwen­dun­gen geän­dert, son­dern von den Mit­ar­bei­tern, die diese Anwen­dun­gen nutzen.

Meine For­schungs­er­geb­nisse zei­gen, die neuen Frei­hei­ten, die durch Web 2.0-Anwendungen ent­ste­hen, wer­den von einem Teil der Mit­ar­bei­ter genutzt. Diese Mit­ar­bei­ter wol­len sich mit beste­hen­den Umstän­den nicht zufrie­den geben und etwas ändern. Für Betriebs­räte wird dies zum Pro­blem, wenn diese Mit­ar­bei­ter bemer­ken, dass sie ihre Anlie­gen über Social Media bes­ser ver­tre­ten kön­nen, als über Betriebs­räte. Die Frage, die im Hin­ter­grund immer schwebt ist, ob die Mit­ar­bei­ter, die Social Media sehr stark nut­zen, Betriebs­räte brau­chen, oder ob Betriebs­räte diese Mit­ar­bei­ter brauchen.

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