Enterprise 2.0

Ein Blog über den Einsatz von Social Media in Organisationen

Lobo stellt #reclaim vor, um Merkel zu beeinflussen.

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Heute hat der all­seits bekannte Netz­ak­ti­vist Sascha Lobo auf der re:publica 13 einen so genann­ten Über­ra­schungs­vor­trag gehal­ten – das Thema war dem­nach vor­her nicht bekannt.

Erst am Ende ver­riet Lobo, was er vor­stel­len will. Es ist ein Plu­gin für Word­Press, um seine kom­plet­ten SocialMedia-Aktivitäten auf dem eige­nen Blog zu kon­zen­trie­ren. Das Plu­gin heißt reclaim, wurde von Felix Schwen­zel gebaut und Mar­kus Anger­meier illus­triert. Auf saschalobo.com/reclaim kann man sich anschauen, wie die­ses Plu­gin aus­se­hen könnte.

Da ich selbst seit gut einem hal­ben Jahr hier blogge, finde ich die Idee genial. Über den stän­di­gen „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­fluss“ und den tröp­feln­den „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zu­fluss“ habe ich auch schon ab und zu nach­ge­dacht. Bis­her läuft aus der kom­mu­ni­ka­ti­ons­theo­re­ti­schen Per­spek­tive Kom­mu­ni­ka­tion auf Blogs bis­her so:

Man bloggt etwas – also stellt eine Infor­ma­tion im Medium Blog ein. Danach sende ich z.B. meine geis­ti­gen Ergüsse in die weite Welt des Inter­nets, damit mein Kram hier im Blog über­haupt sicht­bar wird. Theo­re­tisch gesagt: Damit Anschluss­kom­mu­ni­ka­tion mög­lich wird (also jemand auf meine Infor­ma­tion rea­giert), muss ich meine Weis­hei­ten auf soziale Medien streuen. Wenn meine Ergüsse nicht völ­lig unspan­nend sind, wird mein Auf­ruf zum Lesen geliked/retweetet usw., damit wei­tere poten­zi­elle Leser ange­regt wer­den, mei­nen Bei­trag zu lesen. Im güns­tigs­ten Fall fan­gen Leser sogar an, auf mei­nem Blog zu kom­men­tie­ren und sich aus­zu­tau­schen. Häu­fi­ger ist es aber so, dass die Leser in den ande­ren Medien anfan­gen über das durch den Blog­ger auf­ge­wor­fene Thema zu dis­ku­tie­ren. Genau des­halb wer­den Blogs immer mehr mar­gi­na­li­siert und der Kreis für Blogs ist deut­lich klei­ner, als die ande­ren Kreise. Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­flüsse gehen also eher vom Blog weg, als zum Blog hin.

Durch das von Sascha Lobo vor­ge­stellte reclaim.fm würde sich die Situa­tion ändern. Kom­mu­ni­ka­tion geht nicht aus­schließ­lich von Blogs aus, son­dern wird von ande­ren Medien auch auf Blogs gelenkt. Sascha Lobo meinte, die kom­plette Akti­vi­tät in Social Media Platt­for­men würde auf dem eige­nen Blog gespie­gelt wer­den. Der eigene Blog wäre dem­nach das Zen­trum der eige­nen Akti­vi­tä­ten. Dies hätte zwei große Vor­teile: Ers­tens wür­den Blogs mas­siv gestärkt wer­den, da mehr Kom­mu­ni­ka­tion zum Blog gelenkt wird. Die Pfeile der Infor­ma­ti­ons­flüsse ändern dem­nach die Rich­tung. Es gibt mehr Zufluss als Abfluss an Kom­mu­ni­ka­tion und der Kreis für Blogs wird größer.

Zwei­tens erhal­ten Social Media – Akti­vis­ten eine bes­sere Über­sicht über die eige­nen Akti­vi­tä­ten und somit eine bes­sere Kon­trolle über die eigene Kom­mu­ni­ka­tion. Ich schätze nur 10% der Inter­net­nut­zer braucht so was, aber für diese 10% wäre diese Funk­tion Gold wert.

Das ganze Pro­jekt steht unter dem Slo­gan: „reclaim your digi­tal life“. Laut Lobo, der sich mit fol­gen­der Aus­sage auf Matt Mul­len­weg bezieht, sol­len Blogs das Betriebs­sys­tem des Intra­nets wer­den, wozu diese auf­ge­wer­tet wer­den müs­sen und das Plu­gin stellt einen wich­ti­gen Schritt in diese Rich­tung dar.

Was erhofft sich Sascha Lobo neben die­sen Vor­tei­len? Im Vor­trag machte er lang und breit klar, dass die Poli­tik (ins­be­son­dere Angela Mer­kel) von der Netz­ge­meinde stär­ker beein­flusst wer­den muss, damit nicht mehr so viele dumme Ent­schei­dun­gen getrof­fen bzw. Gesetze gemacht wer­den, die das Inter­net betref­fen (Stich­worte sind Netz­neu­tra­li­tät, Leis­tungs­schutz­recht, Netz­sper­ren usw.). Damit mehr Ein­fluss aus­ge­übt wer­den kann, müsse sich die „Hob­by­lobby“ der Netz­ge­meinde pro­fes­sio­na­li­sie­ren, um Netz­PO­LI­TIK zu betrei­ben. Lobo betonte extrem POLITIK, da das Netz nur das Thema sei.

Genau an dem Punkt konnte ich Lobo nicht fol­gen. Viel­leicht ver­stehe ich es auch nur nicht. Ich ver­stehe und unter­stütze die Idee, Blogs wie­der mehr in den Mit­tel­punkt der Social Media Akti­vi­tä­ten zu rücken. Dadurch wird sich die „Hob­by­lobby“ etwas weni­ger Hobby und mehr Lobby. Was ich jedoch nicht nach­voll­zie­hen kann ist, warum Lobo glaubt, dass sich dadurch der Ein­fluss der Netz­ge­meinde auf poli­ti­sche Ent­schei­dung ver­grö­ßern wird. Die Netz­ge­meinde ist bis­her zu selbst­re­fe­ren­ti­ell. Durch eine Wert­stei­ge­rung der Blogs steigt mei­ner Mei­nung nach nur die Selbst­re­fe­ren­tia­li­tät des Sys­tems Netz­ge­meinde, aber nicht zwangs­läu­fig der Ein­fluss auf Politik.

Ist es nicht viel wich­ti­ger dar­über nach­zu­den­ken, wie die Liga­tu­ren (Dah­ren­dorf) – also die Über­set­zer – zwi­schen Netz­ge­meinde poli­ti­scher Sphäre gestärkt wer­den kön­nen? Kran­ken nicht viele Social Media Pro­jekte daran, dass die guten Ergeb­nisse aus Wikis, sozia­len Intra­ne­ten oder auch digi­tal auf­ge­stell­ten Par­teien (Pira­ten) nicht oder nur unge­nü­gend in die klas­si­schen Pro­zesse über­tra­gen wer­den? (Das Bei­spiel Pira­ten habe ich mal län­ger beschrie­ben: “Was hat der Nie­der­gang der Pira­ten mit Social Media zu tun”) Viel­leicht sehe ich die­sen Punkt auch zu kri­tisch. Viel­leicht lässt sich Angela Mer­kel durch eine bes­sere Blog­ger­com­mu­nity beein­dru­cken. Der Glaube daran fehlt mir bis­her etwas.

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3 Kommentare

  1. Wer ist diese Ange­lika Merkel?

  2. Pingback: Link und Video Highlights der Woche | Schulzekopp.de

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