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Nehmt Eure Betreuer nicht zu ernst!

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Regel­mä­ßig berich­ten mir Stu­die­rende oder Pro­mo­vie­rende nach Gesprä­chen mit ihren Betreu­ern oder nach Vor­stel­lun­gen des eige­nen For­schungs­vor­ha­bens in Kol­lo­quien von den glei­chen Pro­ble­men: Es wer­den Anre­gun­gen gege­ben, die nicht so rich­tig zum bis­he­ri­gen Vor­ge­hen pas­sen oder ein­fach nur verwirren.

Dies ist beson­ders dann ein Pro­blem, wenn die Anre­gun­gen von der Per­son kam, die spä­ter mal die Arbeit kon­trol­lie­ren soll. Durch das Abhän­gig­keits­ver­hält­nis zu die­ser Per­son ist die gewöhn­li­che Reak­tion, die Vor­schläge mög­lichst exakt umzu­set­zen. Vor die­ser Reak­tion möchte ich hier ein­dring­lich war­nen. Was sind die Kon­se­quen­zen die­ses Verhaltens?

a) die Dimen­sio­nen der Arbeit explodieren

Die Arbeit wird immer grö­ßer. © Mar­tin Springer

b) die Schrei­bende ver­lie­ren even­tu­ell ihre Moti­va­tion, da es nicht mehr die eigene Arbeit ist, son­dern die Arbeit der Betreuer
c) es wird mas­siv Zeit ver­geu­det, da die Schrei­ben­den abge­lenkt werden

Ich befinde mich momen­tan in der Sand­wich­po­si­tion, da ich Arbei­ten betreue und selbst betreut werde, wes­halb ich an die­ser Stelle kurz die dif­fe­rie­ren­den Per­spek­ti­ven der Betreuer und Schrei­ber dar­le­gen möchte. Für gewöhn­lich betreuen Pro­fes­so­ren dut­zende Abschluss­ar­bei­ten (Bache­lor, Mas­ter und Pro­mo­tio­nen) par­al­lel. Schrei­bende beschäf­ti­gen sich oft aus­schließ­lich mit der eige­nen Arbeit. Dies führt zu Scheu­klap­pen, die mit der nai­ven Hoff­nung ver­bun­den ist, dass die Betreuer über die eigene Arbeit halb­wegs bescheid wüss­ten. Schrei­bende knüp­fen des­halb oft beim zwei­ten Bera­tungs­ge­spräch an die Ergeb­nisse des ers­ten Gesprächs an, da sie sich gut an das vor­an­ge­gan­gene Gespräch erin­nern. Für sie sind die Arbeit und die Gesprä­che wichtig.

Die Krux an der Geschichte ist, dass dies auf die Betreuer nicht zutrifft. Im güns­ti­gen Fall ver­su­chen sie ihre Schäf­lein zu hel­fen. Dies bedeu­tet aber nicht, dass sie sich nach einem Monat sich noch genau an Gesprächs­de­tails und Abma­chun­gen erin­nern kön­nen. Des­halb ist es nicht unge­wöhn­lich, dass Betreuer mal das eine und beim nächs­ten Gespräch etwas völ­lig ande­res vor­schla­gen. Dies ist kein böser Wille, son­dern zeigt die Rele­vanz der Betreu­ungs­leis­tung. Für Pro­fes­so­ren gehört es zum Job und ist oft eher Pflicht als Kür. Für Schrei­bende ist sie dage­gen sehr wichtig. 

Dar­aus lässt sich für Schrei­bende schluss­fol­gern, dass sie die Anre­gun­gen nicht so ernst neh­men soll­ten. Sicher­lich sollte der Rah­men der Arbeit in den Gesprä­chen abge­steckt wer­den, aber die genaue Aus­ge­stal­tung die­ser obliegt den Schrei­ben­den. Gute Betreuer kön­nen auch bei spe­zi­el­len Pro­ble­men hel­fen, aber es ist uto­pisch von die­sen zu ver­lan­gen, dass sie gedank­lich so tief in der Arbeit ste­cken, wie die Schrei­ben­den. Dies ist nicht möglich.

Auch wenn es schwer fällt und Schrei­bende ein gewis­ses Risiko ein­ge­hen: Am Bes­ten ist es, wenn Schrei­bende ihr Ding durch­zie­hen und ab und zu abche­cken, ob der ein­ge­schla­gene Weg akzep­tiert wird.

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5 Kommentare

  1. Erleb­nisse (“… und was war noch­mal Ihr Ansatz?”), die wohl jeder kennt, der schon ein­mal eine Abschluss­ar­beit geschrie­ben hat. Man sollte aber viel­leicht zwi­schen den ver­schie­de­nen Arbei­ten Dif­fe­ren­zie­ren: bei einer Mas­ter­ar­beit sollte die Betreu­ung und auch Füh­rung durch den Betreuer wesent­lich enger sein, als Bei­spiels­weise bei einer Dis­ser­ta­tion. Und je enger die Betreu­ung ist, desto bes­ser kennt der Betreuer auch die Arbeit des Stu­den­ten. Es wird dann natür­lich eine Abwä­gung zwi­schen der Frei­heit in der eige­nen For­schung und dem Gän­gel­band des Betreu­ers. Und ob es dabei die gol­dene Mitte gibt, ist fraglich.

    • ja, dort gibt es wirk­lich große Unter­schiede. Auch zwi­schen den Fächern wird es erheb­li­che Dif­fe­ren­zen geben. Grund­sätz­lich möchte ich Stu­die­rende vor zu gro­ßen Erwar­tun­gen war­nen. Mir wurde nun schon mehr­fach fol­gende Situa­tion berich­tet: beim vor­letz­ten Mal meinte er/sie dies und dann beim letz­ten Mal meinte er wie­der das, was er /sie beim dritt­letz­ten Mal erzählt hat. die Arbeit zwi­schen dem letz­ten und vor­letz­ten Tref­fen ist dann für den Eimer.

  2. Mir gefällt, wie du diese dop­pelte Dif­fe­renz des Betreu­ungs­ver­hält­nis­ses und die uni­ver­si­täre Rah­mung beschreibst. Auch wenn ich dei­nen Beob­ach­tun­gen abso­lut zustimme, glaube ich, dass ein wesent­li­ches Pro­blem noch etwas anders gela­gert ist. Näm­lich in der Kom­mu­ni­ka­tion zwi­schen Betreuer und schrei­ben­der Per­son einer­seits im klas­si­schen Sinne des Miss­ver­ständ­nis­ses, ander­seits aber auch genau dann, wenn die schrei­bende Per­son ihre Pro­bleme nicht sehen und ein­schät­zen kann und eigent­lich auch nicht weiß, wel­che Fra­gen sie stel­len soll. Dann — und nur dann (imho) — wäre eine Lei­tung und Ori­en­tie­rungs­wei­sung des Betreu­ers ange­bracht. Das Pro­blem was sich dar­aus ergibt, ist eine mög­li­cher­weise unzu­rei­chend reflek­tierte Über­nahme der Ideen des Betreu­ers, die dann nicht argu­men­tiert wer­den können.

    Daher würde ich dafür plä­die­ren, die Ideen des Betreu­ers stets zu hin­ter­fra­gen und zu über­le­gen, ob jene wirk­lich mit mei­ner Vor­stel­lung einer Abschluss­ar­beit zu ver­ein­ba­ren sind. Man redu­ziert somit zugleich das Risiko, dass die Arbeit aus dem Ruder läuft, wenn man sein eige­nes Ding durch­zieht. Macht man das nicht, setzt man sich quasi selbst auf den Bei­fah­rer­sitz und guckt wo das Auto hinfährt.

  3. Durch das Abhän­gig­keits­ver­hält­nis zu die­ser Per­son ist die gewöhn­li­che Reak­tion, die Vor­schläge mög­lichst exakt umzusetzen.”

    Auch wenn das Abhän­gig­keits­ver­hält­nis nicht im Vor­der­grund steht: Man ten­diert dazu, die Hin­weise des Betreu­ers exakt umzu­set­zen, weil einem dadurch diese uner­träg­li­che Ver­ant­wor­tung und das Risiko der eige­nen Ent­schei­dun­gen abge­nom­men wird. Schein­bar… denn letzt­end­lich führt kein Weg daran vorbei.

  4. Hi Janis,
    der Punkt ist halt, den mMn viele nicht sehen, dass die Ver­ant­wor­tung in dem Moment des Gesprächs abge­nom­men wird. Wenn sich die Betreuer aber nicht mehr an die Ein­zel­hei­ten erin­nern, dann erfolgt das Abtre­ten der Ver­ant­wor­tung nur SCHEINBAR. Sehr schö­nes Wort von dir! am Ende haben die Schrei­ber­linge die Ver­ant­wor­tung und auch das Risiko, wel­che nur bis zu einem gewis­sen Grad mini­miert wer­den können.

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