Enterprise 2.0

Ein Blog über den Einsatz von Social Media in Organisationen

Resümee meiner Jobsuche über Social Media

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Auf der letz­ten Repu­blica stell­ten Chris­tine Ding­ler und Jochen Mai von der Kar­rie­re­bi­bel eine mir bis dahin unbe­kannte Art der Job­su­che vor. Über Ihren Blog suchte Chris­tine Ding­ler einen Job in der Online-Kommunikation. Ich war von der Vor­stel­lung begeis­tert und dachte mir, dies passt per­fekt zu mir.

Aus­gangs­si­tua­tion für die Jobsuche

Bis Dezem­ber schrieb ich meine Diss fer­tig, drehte mit Freun­den ein Video und ver­fasste einen “Bewer­bungs­ar­ti­kel” auf die­sem Blog.  Der Martk bezüg­lich Enter­prise 2.0 bzw. Social Busi­ness eta­bliert sich gerade erst, wes­halb die Com­mu­nity noch rela­tiv klein ist, es keine kla­ren Stel­len­pro­file gibt und es unklar ist, wer über­haupt auf die­sem Markt mit­spie­len will. Erwäh­nens­wert ist auch, dass ich durch die Dis­ser­ta­tion in die­sem Bereich für poten­zi­elle Arbeit­ge­ber schwer zu fas­sen bin, da es so was in dem Bereich außer­halb des Wis­sens­ma­nage­ments im deutsch­spra­chi­gen Bereich noch nicht gibt.

Ergeb­nis der Jobsuche

Zunächst möchte ich das Ergeb­nis ver­kün­den. In der ers­ten Hälfte des Aprils fange ich als Infor­ma­ti­ons­ar­chi­tekt und Bera­ter bei HIRSCHTECin Ham­burg an. Für HIRSCHTEC sprach:

Logo der Firma HIRSCHTEC

  • ein sehr unkom­pli­zier­tes Bewer­bungs­ver­fah­ren (das Ver­fah­ren zeigt teil­weise, wie eine Firma im inne­ren tickt)
  • die Aus­sicht dort genau in dem Bereich zu arbei­ten, in dem ich län­ger­fris­tig blei­ben will
  • die the­ma­ti­sche Nähe zu den Erfah­run­gen, die ich wäh­rend der Aus­ar­beit der Dis­ser­ta­tion sammelte
  • die Mög­lich­keit rela­tiv schnell einzusteigen

Vor­teile der Job­su­che über Social Media

  1. Der grund­sätz­li­che Unter­schied bei einer Bewer­bung über einen Blog ist, dass ich mich nicht bei poten­zi­el­len Arbeit­ge­bern melde, son­dern diese sich bei mir. Dies mag sich nicht spek­ta­ku­lär anhö­ren, ist aber der größte Vor­teil. Bei einer “klas­si­schen” Bewer­bung weiß ich nie, ob mein Pro­fil zur aus­ge­schrie­be­nen Stelle genau passt. Bei Initia­tiv­be­wer­bun­gen ist die­ses Pro­blem noch grö­ßer. Wenn sich poten­zi­elle Arbeit­ge­ber auf der Grund­lage des Blogs mel­den, dann ist ein grund­sätz­li­ches Inter­esse des Arbeit­ge­bers gege­ben, wodurch das Bewer­bungs­ver­fah­ren etwas anders abläuft.
  2. Die Gesprä­che ver­lie­fen meis­tens nicht auf der Grund­lage von mei­nen Bewer­bungs­un­ter­la­gen, die ich ab und zu ein­rei­chen musste, son­dern auf mei­nen Arti­keln in die­sem Blog, den ich seit gut 1,5 Jah­ren führe. Dadurch war grund­sätz­lich ein ande­res Level im Gespräch erreicht, wodurch ange­nehme Atmo­sphä­ren ent­stan­den. Ich bekam auch Absa­gen nach den Gesprä­chen, die aber nicht schlimm waren, da ein ernst­haf­tes Inter­esse an mei­ner Per­son immer gege­ben war. Pri­mär wurde abge­sagt, weil bis­her nicht genug Pro­jekte im Bereich Enter­prise 2.0 / Social Busi­ness vorlagen.
  3. Bei eini­gen Anfra­gen war ich über­rascht über das Inter­esse an mir. Dies sind poten­zi­elle Arbeit­ge­ber, die gerade lang­sam in den Bereich Enter­prise 2.0 und Social Busi­ness gehen. Oft war nicht mal auf der Home­page der Fir­men erkenn­bar, dass sie in die­sen Berei­chen etwas machen bzw. machen wol­len. Ich hätte mich dem­nach dort nie bewor­ben. Ohne Social Media wäre eine Kon­takt­auf­nahme nicht mög­lich gewesen.
  4. Aus Punkt drei ergibt sich, dass ich durch die kon­kre­ten Gesprä­che einen ziem­lich guten Über­blick über die Player im Markt bekam. Mei­ner Mei­nung nach gibt es 5 Kate­go­rien von Play­ern, über die ich mal dem­nächst schrei­ben kann.
  5. Ich erkannte auch, wel­che Social Media Por­tale nicht umgan­gen wer­den kön­nen. In kur­zer Zeit bekam ich meh­rere Ein­la­dun­gen zu Lin­ke­din, wes­halb ich dort nun auch ver­tre­ten bin.
  6. Direk­ter Kon­takt zu dem Bereich in dem man rein will. Bei mir spielte es keine große Rolle, da ich pri­mär mit klei­ne­ren Unter­neh­men sprach, aber auf eine Social Media Bewer­bung wer­den eher Mit­ar­bei­ter aus dem eige­nen Fach­be­reich als HRler sto­ßen. Dies bedeu­tet, man kommt direkt mit den poten­zi­el­len Mit­ar­bei­tern ins Gespräch und die HR-Abteilung wird für den Bewer­bungs­pro­zess hinzu geholt.

Wie ent­stan­den kon­kret Kon­takte über Social Media in mei­nem Fall?

  •  über Xing bekam ich eine Nach­richt, dass mein Blog gese­hen wurde.
  • über Face­book, Twit­ter und Xing wurde ich auf Stel­len­aus­schrei­bun­gen hin­ge­wie­sen (wenn die Stelle passte, dann bewarb ich mich zunächst nicht auf dem klas­si­schen Weg, son­dern ver­suchte mit zustän­di­gen Per­so­nen in Kon­takt zu kom­men, wies auf mei­nen Blog hin und fragte, ob sich eine Bewer­bung loh­nen würde).
  • über Face­book ver­netz­ten Nut­zer mei­nen Blog mit poten­zi­elle Arbeit­ge­ber. (siehe Bild)

    Kopie aus mei­ner Timeline

  • ein Kon­takt ent­stand über das klas­si­sche Medium E-Mail. Ich berich­tete meh­re­ren Weg­be­glei­tern über die Abgabe mei­ner Dis­ser­ta­tion und erwähnte neben­bei, dass ich nun nach einen Job suche.

Tipps für die Job­su­che über Social Media

  1. Der “Bewer­bungs­ar­ti­kel” sollte pro­fes­sio­nell sein. Des­halb habe ich mir für das Video zwei Per­so­nen orga­ni­siert, die sich sehr gut mit Ton­tech­nik und Schnitt­tech­nik aus­ken­nen. Den­noch lie­fen die Auf­nah­men nicht ganz opti­mal. Das Video wurde trotz­dem gelobt, obwohl ich es etwas zu steif finde.
  2. Im Arti­kel sollte erklärt wer­den, was man kann, was man will, was man nicht will, was man bis­her gemacht hat.
  3. Der Arti­kel sollte nicht wie ein klas­si­scher Lebens­lauf wir­ken. Gerade die Vor­teile eines Blogs müs­sen aus­ge­nutzt wer­den, um sich vom nor­ma­len Lebens­lauf abzu­he­ben. Ein Bei­spiel ist z.B. diese Gra­fik des CV.
  4. Für das Bewer­bungs­vi­deo bekam ich eine kleine För­de­rung von der Arbeits­agen­tur. Die Auf­lage war, dass ich sonst keine Bewer­bungs­kos­ten ein­rei­che. Dies war kein Pro­blem, da eine Job­su­che über Social Media ansons­ten kein Geld kos­tet. Dies ist eine “Kan­nent­schei­dung” der zustän­di­gen Per­son. Also ein­fach mal frech nachfragen.
  5. Mein Netz­werk im Social Media wollte ich nicht zu sehr mit mei­ner Job­su­che ner­ven, wes­halb ich eigent­lich nur zwei Mal mas­siv dar­auf hin­wies (ein­mal im Dezem­ber und ein­mal Ende Januar). Dies bedeu­tet, jeweils ein Post auf Face­book und meh­rere Tweets auf Twit­ter über ein paar Tage.
  6. Bei Chris­tine Ding­ler wirkte Twit­ter bes­ser. Bei mir war es inter­es­san­ter Weise eher Face­book. Dies liegt wahr­schein­lich daran, dass ich dort eher mit Leu­ten befreun­det bin, die ich per­sön­lich kenne. Diese sind schein­bar eher bereit, mei­nen Bei­trag zu tei­len oder zu liken, als Leute, mit denen man the­ma­tisch ver­bun­den ist. Letz­te­res ist bei mir bei vie­len Twitter-Follower der Fall.
  7. Wei­tere Auf­tritte in der Social Media Welt soll­ten auf die Bewer­bung im Blog ange­passt sein. Xing kann z.B. iden­tisch mit einem Lebens­lauf sein, wo expli­zit auf die Bewer­bung hin­ge­wie­sen wird.
  8. Eine Reak­tion per E-Mail, Twit­ter oder Xing auf den Blog­bei­trag (ala, inter­es­sant, wir soll­ten mal mit­ein­an­der spre­chen) bedeu­tet nicht, dass ein nor­ma­les Bewer­bungs­ver­fah­ren eröff­net wurde. Viel­mehr sollte man sich trauen, regel­mä­ßig nach­zu­ha­ken. Ein Kon­takt heißt näm­lich noch nicht, dass dar­aus ein Dia­log ent­steht. Dazu gleich mehr.

Pro­bleme bei mei­ner Jobsuche

Span­nend war, dass es durch den ein­ge­schla­ge­nen Weg kei­ner­lei Pro­bleme gab. Viel­mehr berei­te­ten andere Umstände klei­nere Pro­bleme, die grund­sätz­lich alle Bewer­ber haben dürften:

  • Der Jah­res­zeit­raum für den Start der Suche hätte nicht ungüns­ti­ger sein kön­nen. Zwi­schen dem 15.12 und 15.01 eines Jah­res pas­siert eigent­lich nichts im HR-Bereich. Ich bekam zwar auf mei­nen ers­ten Streu­ver­such ein paar Reak­tio­nen, aus denen aber nur ein kon­kre­ter Dia­log ent­stand. Der Rest ver­lief über die­sen Zeit­raum im Sande.
  • Aus dem bekun­de­ten Inter­esse von poten­zi­el­len Arbeit­ge­bern ent­stand nicht immer ein Dia­log. Die Gründe waren der Weih­nachts­zeit­raum, Krank­hei­ten, man­gelnde Zeit usw.. Dies ist wahr­schein­lich nor­mal und darf von Bewer­bern auch nicht so kri­tisch gese­hen werden.
  • Einige Gesprä­che ver­lie­fen sehr gut, aber in die­sem Moment waren noch nicht genü­gend Auf­träge in mei­nem gewünsch­ten Gebiet vorhanden.

 Ein Dan­ke­schön an alle,

die mei­nen Job­su­che unter­stützt haben. Ob dies, die Ide­en­ge­ber, likes, sha­res, ret­weets, Hin­weise auf Aus­schrei­bun­gen oder Emp­feh­lun­gen waren. Alles hat gehol­fen, um mein Anlie­gen für mög­lichst viele Men­schen sicht­bar zu machen. Die durch­weg posi­tive Reso­nanz von poten­zi­el­len Arbeit­ge­bern zeigt, dass mein Weg für mich der rich­tige war. Die­ser Weg wäre ohne Euch jedoch nicht mög­lich gewe­sen. Social Media rules the world!

*Sicher­lich sind die ein­zel­nen Punkte noch nicht voll­stän­dig. Dies ist meine sub­jek­tive Wahr­neh­mung, die momen­tan domi­niert. Ergän­zun­gen könnt Ihr gerne per Kom­men­tar­funk­tion anbringen.

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3 Kommentare

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  3. Vie­len Dank für die­sen Bericht. Sehr inter­es­sant wie sich das ganze ver­än­dert. Die Frage stellt sich auch, wie weit sind die Unter­neh­men bereits. Viele wer­den noch nicht aktiv, online nach dem pas­sen­den Bewer­ber suchen.

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