Enterprise 2.0

Ein Blog über den Einsatz von Social Media in Organisationen

#Sprache — ein Hindernis für #SocialMedia ?

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Web 2.0-Anwendungen müs­sen tech­nisch aus­ge­feilt sein und wenn dann die Ein­füh­rung der Anwen­dung in ein Unter­neh­men gut beglei­tet und von der Füh­rung unter­stützt wird, dann lau­fen sie schon. So oder so ähnlich sehen gefühlt 75% der Beschrei­bun­gen zu den Erfolgs­fak­to­ren von Enterprise2.0-Lösungen aus. Wei­tere Fak­to­ren ste­hen sel­ten im Fokus, die ich aber in der nächs­ten Zeit hier auf dem Blog auf­wer­fen werde. Heute geht es um Spra­che.
Zwei wesent­li­che Pro­bleme, die kaum bedacht wer­den, stelle ich in den Mittelpunkt:

       1. Mul­ti­lin­guale Unter­neh­men
       2. Hete­ro­ge­ner Sprachgebrauch

1. Mul­ti­lin­guale Unter­neh­men
In Groß­un­ter­neh­men, die immer in meh­re­ren Län­dern ver­tre­ten sind, wer­den oft min­des­tens ein hal­bes Dut­zend Spra­chen gespro­chen. Auch mitt­lere und klei­nere Unter­neh­men sind immer häu­fi­ger mehr­spra­chig auf­ge­stellt. Was bedeu­tet dies für Web 2.0-Anwendungen?
Eine mehr­spra­chige Ein­stel­lungs­op­tion der Anwen­dun­gen auf tech­ni­scher Seite ist das kleinste Pro­blem. Die Berüh­rungs­ängste bezüg­lich einer Anwen­dung sind deut­lich gerin­ger, wenn diese in der eige­nen Mut­ter­spra­che genutzt wer­den kann. Das viel grö­ßere Pro­blem ist die Kom­mu­ni­ka­tion über Wikis, Blogs oder soziale Intra­nets. Zwar gibt es soge­nannte Unter­neh­mens­spra­chen, die alle Mit­ar­bei­ter theo­re­tisch spre­chen soll­ten, aber die Rea­li­tät sieht, gerade auf nied­ri­ge­ren Hier­ar­chie­stu­fen, anders aus. Dazu ein Bei­spiel:
Direktzu ist ein sehr ein­fa­ches Web 2.0-Tool, wel­ches wie folgt funktioniert:


Durch die Ein­fach­heit der Anwen­dung ist es mög­lich, Fra­gen und Kom­men­tie­run­gen der Mit­ar­bei­ter sowie die Ant­wor­ten des CEO zu über­set­zen, was auch in eini­gen Fir­men gemacht wird. Einer mei­ner Inter­view­teil­neh­mer berich­tete mir trotz die­ser Über­set­zungs­leis­tung der Firma, die nicht gerade bil­lig ist, von fol­gen­dem Phä­no­men. In der Firma wer­den Fra­gen und Ant­wor­ten über­setzt. Seine Beob­ach­tung ist die Folgende:

„so wenn man jetzt sagen würde ja wir machen alles in Eng­lisch ist auch in Ord­nung aber ich sach mal n Bruch­teil von den Leu­ten die hier arbei­ten , die spre­chen Ita­lie­nisch es sei denn sie sind Ita­lie­ner und Eng­lisch stelle ich teil­weise auch fest mhm gibt es auch eher Defi­zite .. ja also wenn wenn schon ein Teil in alle Spra­chen über­setzt wird dann sollte man es e eigent­lich kon­ti­nu­ier­lich durch­zie­hen .. da hat man was davon weil es nutzt mir ja nichts wenn ich ein Arti­kel äh in Deutsch zu ste­hen habe so der Typi konnte sich das dann mit google viel­leicht mal über­set­zen ant­wor­tet irgend­was auf ita­lie­nisch ähh über­setze ich mir dann wie­der zurück nach ne passt ja dann alles irgend­wie nicht , dann kommt da irgend­wel­che Grütze bei raus Miss­ver­städ­nisse tre­ten auf hmm , wobei ich auch ver­ste­hen kann dass man viel­leicht biss­chen mehr Leute braucht dann um das Ganze dann nn zu dol­met­schen ja ob das dann irgend­wie hän­del­bar ist weiß ich nicht aber ist n biss­chen unglück­lich find ich“

Er stellt fest:
– Die Unter­neh­mens­spra­che (Eng­lisch) spricht man häu­fig mehr schlecht als recht
– Bei­träge in unbe­kann­ten Spra­chen kön­nen nicht genutzt wer­den.
– Mit­ar­bei­ter nut­zen google trans­la­tor, was kaum funk­tio­niert.
– Über­set­zen ist teuer.

Das Bei­spiel zeigt, es gibt Sprach­bar­rie­ren, die die Mög­lich­keit der Nut­zung von Web 2.0 Anwen­dun­gen ein­schrän­ken. Diese Bar­rie­ren wie­gen umso schwe­rer, wenn man sich ver­deut­licht, dass der kom­mu­ni­ka­tive Aus­tausch zwi­schen Mit­ar­bei­tern ein zen­tra­les Anlie­gen der Enter­prise 2.0 Bemü­hun­gen ist. Ich konnte auch beob­ach­ten, dass eine domi­nante Spra­che in einer Anwen­dung andere Spra­chen mar­gi­na­li­siert. Ein fik­tio­na­les Extrem­bei­spiel: Die 500 indo­ne­si­schen Mit­ar­bei­ter der Zweig­stelle in Jakarta trauen sich nicht das soziale Intra­net zu nut­zen, da sie kaum Eng­lisch kön­nen und die ande­ren 99500 Mit­ar­bei­ter kein Indo­ne­sisch ver­ste­hen. Grund­sätz­lich wer­den Mit­ar­bei­ter Hem­mun­gen haben, in einer Fremd­spra­che Posts zu ver­fas­sen, die von allen ande­ren sicht­bar sind.

Meine Schluss­fol­ge­rung ist: Sprach­bar­rie­ren sind viel grö­ßer, als vom gut aus­ge­bil­de­tem und somit meh­rere Spra­chen spre­chen­dem Manage­ment ange­nom­men. Außer­dem füh­ren sie zu einer Auf­tei­lung der poten­zi­el­len Nut­zer von Enter­prise 2.0 in meh­rere Grüpp­chen, die mit ande­ren Grup­pen nur bedingt in Kon­takt tre­ten. Klei­nere Sprach­grup­pen wer­den unter Umstän­den kom­plett marginalisiert.

2. Hete­ro­ge­ner Sprach­ge­brauch
Nun könnte man anneh­men, ok wir haben bei 100000 Mit­ar­bei­tern 6 oder 8 Haupt­grup­pen, die jeweils ihre eigene Mut­ter­spra­che spre­chen. Diese Teil­grup­pen nut­zen die Vor­teile von Web 2.0, was auch unbe­streit­bar pas­siert, aber es gibt ein wei­te­res Pro­blem:
Es gibt nicht nur eine Aus­dif­fe­ren­zie­rung der Nut­zung auf­grund von Sprach­bar­rie­ren, son­dern auch eine Aus­dif­fe­ren­zie­rung inner­halb einer Spra­che ent­lang von Hier­ar­chieg­ren­zen oder Abtei­lungs­gren­zen. Um dies zu ver­deut­li­chen, hier ein Bei­spiel aus einem deut­schen Großunternehmen:

„es ist ne gewisse Tona­li­tät , die dort statt­fin­det , die wir sonst in kei­nem ande­ren Tool haben , also jetzt wie­der , schwarz weiß gespro­chen ähm aber über­wie­gend ist die Tona­li­tät , sehr … ich weiß nicht seh hart ser sehr forsch sehr , teil teil­weise unverschämt ..“

Her­un­ter­ge­bro­chen könnte man sagen, in einem Tool wird geschrie­ben, wie am Stamm­tisch gespro­chen wird, wovon sich die­ser Mit­ar­bei­ter abgrenzt. Meine Ver­mu­tung ist, dass sich mit der Ein­füh­rung von immer mehr Anwen­dun­gen in den Unter­neh­mens­kon­text bestimmte Hier­ar­chie­ebe­nen oder Abtei­lun­gen auf bestimmte Anwen­dun­gen fokus­sie­ren. Sehr stark ver­ein­facht und ste­reo­ty­pi­sie­rend gesagt:

Ein­fa­che Men­schen nut­zen Tools, wo eher auf Stamm­tisch­ni­veau kom­mu­ni­ziert wird, Wis­sens­ar­bei­ter Blogs und Wikis, in denen der Aus­tausch über und von Wis­sen domi­niert ODER Infor­ma­ti­ker und Inge­nieure nut­zen Anwen­dun­gen, wo nicht lange „drum herum“ gere­det wird und Sekre­tä­rin­nen eher Foren, wo sie sich lang und breit aus­tau­schen kön­nen. Dabei ist zu beach­ten, dass die Art der Nut­zung nicht von der Tech­nik deter­mi­niert ist. Genau das glei­che Tool kann in einem Kon­text auf der Ebene des Stamm­ti­sches genutzt wer­den und in einem ande­ren Kon­text als Forum für gepflegte Diskussionen.

Fazit: Sprach­kennt­nisse und die Art und Weise des Sprach­ge­brauchs beein­flus­sen das Nut­zungs­ver­hal­ten von Web 2.0-Anwendungen viel stär­ker, als oft ange­nom­men wird. Dar­auf muss bei der Ein­füh­rung von Tools geach­tet wer­den, um Ent­täu­schun­gen vorzubeugen.

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