Enterprise 2.0

Ein Blog über den Einsatz von Social Media in Organisationen

Dezember 13, 2013
von René Sternberg
2 Kommentare

Kann Enterprise 2.0 Silo– und Hierarchiegrenzen durchbrechen?

Mit der Ein­füh­rung von Enter­prise 2.0 in die interne Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­tion sind große Hoff­nun­gen ver­bun­den. Ein Inter­view­part­ner beschrieb diese wie folgt: Herr Xs Firma ver­folgt dem­nach das Ziel, die abtei­lungs­über­grei­fen­den kom­mu­ni­ka­ti­ven Begren­zun­gen zwi­schen den ein­zel­nen „Silos“ durch den Ein­satz von Web 2.0-Anwendungen abzu­bauen. Gelingt dies auf hori­zon­ta­ler und ver­ti­ka­ler Linie? Die knappe Ant­wort ist JA. Die inter­es­san­tere Ant­wort ist jedoch, wenn wir uns anschauen, warum dies so ist. Warum gibt es über­haupt Silos? Wel­chen Sinn haben sie für Unter­neh­men? Dazu möchte ich auf Webers Büro­kra­tie­be­griff ver­wei­sen. Die­ser Begriff beinhal­ten ver­schie­dene Prin­zi­pien. Fol­gende Prin­zi­pien wer­den durch Enter­prise 2.0 ver­än­dert.
Prin­zip der Amts­hier­ar­chie: „[…] d. h. die Ord­nung fes­ter Kon­troll– und Auf­sichts­be­hör­den für jede Behörde mit dem Recht der Beru­fung oder Beschwerde von den nach­ge­ord­ne­ten an die vor­ge­setz­ten“ (Weber 1972, S. 125). Dies bedeu­tet, es gibt eine Amts­hier­ar­chie, die Kom­pe­ten­zen und Befug­nisse auf der ver­ti­ka­len Linie klar von­ein­an­der tren­nen. Es ist dadurch gere­gelt, wie Unter­ge­bene sich auf Vor­ge­setzte beru­fen und Beschwer­den ein­rei­chen kön­nen.
Das zweite Prin­zip: „Die Amts­füh­rung bzw. Auf­ga­ben­er­fül­lung erfolgt nach gene­rel­len Regeln. Sie bezie­hen sich auf die Ziele der Tätig­kei­ten, die Fest­le­gung von Kom­pe­ten­zen und Ver­fah­ren zur indi­vi­du­el­len Auf­ga­ben­er­fül­lung sowie auf den sog. Dienst­weg, der Rege­lun­gen dar­über ent­hält, wer mit der Ange­le­gen­heit befaßt wer­den muß“ (Mikl-Horke 1995, S. 100f). Arbeits­tei­lung wird dem­nach über Dienst­wege orga­ni­siert, der fest­legt, wel­cher Mit­ar­bei­ter was, wann zu erle­di­gen hat. Dies struk­tu­riert die Kom­mu­ni­ka­tion sehr stark.
Das Prin­zip der Akten­mä­ßig­keit beschreibt Weber wie folgt: „Es gilt das Prin­zip der Akten­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung, auch da, wo münd­li­che Erör­te­rung tat­säch­lich Regel oder gera­dezu Vor­schrift ist: min­des­tens die Vor­er­ör­te­run­gen und Anträge und die abschlie­ßen­den Ent­schei­dun­gen, Ver­fü­gun­gen und Anord­nun­gen aller Art sind schrift­lich fixiert“ (Weber 1972, S. 126). Das Prin­zip führt zu einer aus­ge­präg­ten schrift­li­chen Kom­mu­ni­ka­tion, da bei­spiels­weise immer schrift­lich nach­weis­bar sein muss, wer was wann ent­schie­den hat.