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Ein Blog über den Einsatz von Social Media in Organisationen

Warum Nutzerzahlen schizophren sind

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Im Inter­net kur­sie­ren regel­mä­ßig Mel­dun­gen über die Nut­zer­zah­len von Sozia­len Platt­for­men.  Eine aktu­elle Mel­dung von Sebas­tian Socha, der sich auf Jesse Tho­mas bzieht, legt fol­gende Zah­len vor: „Neben den bei­den bekann­ten Platz­hir­schen Face­book (1.06 Mrd. Nut­zer) und Twit­ter (517 Mio. Nut­zer) tau­chen aber auch hier­zu­lande rela­tiv unbe­kannte Social Media Platt­for­men wie Qzone (592 Mio. Nut­zer) und Sina Weibo (324 Mio. Nut­zer) auf die­ser Gra­fik auf. Haupt­merk­mal die­ser “gro­ßen” Mainstream-Portale ist eine unge­fähre mobile Nut­zungs­rate von unge­fähr 60%.

Mit einer mobi­len Nut­zungs­rate von immer­hin 31% über­ra­schen aber auch die drei gro­ßen Mail-Anbieter Hot­mail (325 Mio. Nut­zer), Yahoo-Mail (298 Mio. Nut­zer) und Gmail (425 Mio. Nut­zer). Mit nur noch 4% mobi­ler Nut­zungs­rate liegt die Platt­form Skype in die­sem Bereich ganz hin­ten, über­zeugt aber mit stol­zen 663 Mio. Nut­zern und liegt damit im welt­wei­ten Ver­gleich theo­re­tisch auf dem zwei­ten Platz!“ (siehe Bild)

Stim­men diese Zah­len? Bei­träge wie: „124% der 16Jährigen Öster­rei­che­rIn­nen sind auf Face­book“, las­sen Zwei­fel auf­kom­men. Fol­gende Punkte soll­ten bei der Höhe der Nut­zer­zah­len mit bedacht werden:

  • Es ist unklar, was als akti­ver Nut­zer zählt. Die ein­zel­nen Anbie­ter haben unter­schied­li­che Defi­ni­tio­nen. Für Face­book sind z.B. aktive Nut­zer, die sich inner­halb der letz­ten 30 Tage min­des­tens ein­mal am ent­spre­chen­den Ort ein­ge­loggt haben. Skur­ril ist dabei, dass wenn sich ein Nut­zer inner­halb von 30 Tagen an meh­re­ren Orten auf Face­book ein­loggt, er mehr­fach gezählt wird. Tho­mas Rafels­ber­ger kommt zu dem Schluss, dass des­halb eigent­lich 25% von den Face­book Ads genann­ten Zah­len abge­zo­gen wer­den müs­sen. Die Dis­kus­sion, dass sich einige der unter 14 Jäh­rige 16 als Alter ein­stel­len, damit sie Face­book offi­zi­ell nut­zen kön­nen, möchte ich an die­ser Stelle nicht füh­ren, da auch 22jährige noch eine Nut­zer­rate von 100% auf­wei­sen, was eben­falls unrea­lis­tisch ist. Die­ser Aspekt wird ledig­lich die Zah­len für 14 bis 17jährige etwas hoch trei­ben, aber nicht für Ältere.
  • Ein wei­te­rer Grund der kaum bedacht wird, sind Mehr­fach­ac­counts. In einer For­schungs­werk­statt berich­te­ten mir einige Erzie­hungs­wis­sen­schaft­ler, dass es für viele Jugend­li­che nor­mal sei, meh­rere Accounts zu haben. Der Account sei für die Eltern und der andere Account für die Freunde, damit die Eltern beru­higt schla­fen kön­nen. Sozio­lo­gisch gespro­chen: Ein Account ist für die Schau­bühne der Jugend­li­chen und ein wei­te­rer für die infor­melle Kommunikation.
  • Gerade bei Jugend­li­chen sind Fake­ac­counts auch sehr beliebt. Dies hat viele Ursa­chen. Wich­tig ist jedoch, dass diese Accounts im Gegen­satz zu den gerade beschrie­be­nen, nicht von gro­ßer Dauer sind und somit die Nut­zungs­zah­len nicht so stark nach oben trei­ben. Stär­ke­ren Ein­fluss haben sicher­lich die bezahl­ten Fans/Follower usw., die künst­lich Zah­len nach oben treiben.
  • Auch für Ältere macht es durch­aus Sinn, meh­rere Accounts zu haben. In der schon erwähn­ten For­schungs­werk­statt dis­ku­tier­ten wir über das Pro­blem der Tren­nung von pri­va­ter und beruf­li­cher Sphäre. So haben Sozi­al­ar­bei­ter grund­sätz­lich einen beruf­li­chen Account, den sie zur Kom­mu­ni­ka­tion mit Jugend­li­chen ein­set­zen und einen pri­vate Account für die Kom­mu­ni­ka­tion mit Freun­den und Familie.

Die Punkte zei­gen, das Wort Nut­zer­zah­len ist nicht gleich­zu­set­zen mit rea­len Indi­vi­duen. Indi­vi­duen nei­gen auf Netz­wer­ken oft  zur Schi­zo­phrene, wes­halb die Nut­zer­zah­len eigent­li­che Pro­file anzei­gen und keine reale Indi­vi­duen. Ein­zelne Pro­file kom­mu­ni­zie­ren mit vom Indi­vi­duum fest­ge­leg­ten Nut­zer­grup­pen. Letzt­lich zeigt sich an der Nut­zung der Accounts die Aus­dif­fe­ren­zie­rung der Gesell­schaft. Jedes Indi­vi­duum steckt in ver­schie­dene Rol­len (z.B. gleich­zei­tig Mut­ter, Mana­ge­rin, Vol­ley­bal­le­rin, Attac-Mitglied), die auch auf soziale Medien in Form von Pro­fi­len aus­dif­fe­ren­ziert werden.

Jetzt könn­ten Lieb­ha­ber von Zah­len fra­gen: naja, wie viel Pro­zent muss man abzie­hen, damit man die rea­len Indi­vi­duen hin­ter den Nut­zer­zah­len her­aus bekommt? Meine Ant­wort wäre: Keine Ahnung, da es anwen­dungs­spe­zi­fisch ist. Jeder Fak­tor ist in den ein­zel­nen Anwen­dun­gen unter­schied­lich stark. Grund­sätz­lich würde ich ca. 25 bis 50% abzie­hen. Dies auch, weil die betref­fen­den Unter­neh­men kein Inter­esse haben, wirk­lich reale Nut­zer­zah­len zu erfas­sen und zu publizieren.

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