Enterprise 2.0

Ein Blog über den Einsatz von Social Media in Organisationen

Wer kreiert eigentlich die besseren Regeln — die Sharing-Economy oder der Staat?

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Momen­tan herrscht wegen Uber eine hef­tige Debatte über die Sharing-Ökonomie. Ste­fan Schultz beklagt, dass sich Nut­zer von Uber oder Airbnb an der Gesell­schaft berei­chern. Die Unter­neh­men ver­brei­ten dem­nach eine liber­täre Ideo­lo­gie und hal­ten sich nicht an Regeln. Statt­des­sen hebeln sie „gezielt Regeln aus, die dazu die­nen, die sozial Schwa­chen zu schüt­zen”. Der Phi­lo­soph Byung-Chul Han jam­mert, dass die Sharing-Ökonomie sogar die Gast­freund­schaft ökono­mi­siert. Beide Posi­tio­nen sind bei nähe­rer Betrach­tung nicht stichhaltig.

Das eigent­li­che Pro­blem ist, dass bis­he­rige Regeln nicht auf die der­zei­ti­gen Inno­va­tio­nen pas­sen, wie Dr. Bar­nitzke ein­drück­lich zeigt. Zusätz­lich wird völ­lig ver­kannt, dass sich die Com­mu­nities selbst Regeln geben. Die viel tie­fer­ge­hende Frage ist des­halb, braucht es den Staat noch, der die Regeln auf­stellt, oder kann die Com­mu­nity sich nicht viele Regeln auch selbst geben und der Staat tritt nur in Erschei­nung, um blinde Fle­cken zu behe­ben bzw. Min­dest­stan­dards zu set­zen? Zu idea­lis­tisch mei­nen Sie?

Brei­tes Ange­bot bei Airbnb

Schauen wir uns das Bei­spiel Airbnb genauer an. Ich selbst über­nachte regel­mä­ßig in Hotels und habe beson­ders im Aus­land Airbnb genutzt. Im klas­si­schen Über­nach­tungs­ge­werbe gab es bis­her ein über­schau­ba­res Ange­bot von Kate­go­rien, die teil­weise noch durch ein Ster­ne­sys­tem unter­teilt wer­den: Hotels, Her­ber­gen, Feri­en­woh­nun­gen, Hos­tels gehö­ren dazu.

Liste mgl. Aus­stat­tung @airbnb

Ste­fan Schultz kri­ti­siert, dass sich Airbnb nicht an Regeln der Hotel­bran­che hält, da sie Vor­schrif­ten zur Hygiene und Brand­schutz miss­ach­tet. Dies ist ein Ver­gleich von Äpfeln mit Bir­nen. Die Ange­bote bei Airbnb sind viel hete­ro­ge­ner und pas­sen nicht in die bis­he­ri­gen Kate­go­rien. Ein Wagon, ein Zim­mer in einer Woh­nung oder das Wochen­end­haus einer Fami­lie sind Ange­bote, die frü­her ohne pri­vate Kon­takte am eige­nen Ziel­ort schlicht nicht auf­find­bar waren. Die Platt­form ist ein Ver­mitt­ler, die eine sehr per­so­na­li­sierte Nach­frage befrie­digt, die frü­her nicht ver­sorgt wer­den konnte. Wer bei­spiels­weise keine Brand­schutz­an­lage in sei­nem Zim­mer braucht, muss diese auch nicht buchen.

Bezie­hung zwi­schen Gast & Host

cc @airbnb

Die per­sön­li­che Ebene ist bei Airbnb-Gastgebern oft auch eine andere, als in einem nor­ma­len Hotel. Selbst kam ich in Almaty – Kasachs­tan in einer pri­va­ten Woh­nung für meh­rere Tage unter. Durch zahl­rei­che Gesprä­che mit dem Gast­ge­ber konnte ich das Land deut­lich bes­ser ken­nen ler­nen, als dies im Hotel der Fall gewe­sen wäre. Dies ist sicher­lich ein extre­mer Fall, aber auch klei­nere Infos, wie die Lieb­lings­plätze und –restau­rants der Gast­ge­ber, kön­nen sehr nütz­lich sein. Hotel­an­ge­stellte wis­sen oft nicht ein­mal, wo der nächste Post­kas­ten steht.

Die Rolle der Bewer­tun­gen bei Airbnb

Die Hygie­ne­frage wird bei Airbnb durch ein Bewer­tungs­sys­tem gelöst. Jeder Gast bewer­tet ver­schie­dene Merk­male der Unter­kunft, wovon die Sau­ber­keit eine ist. Inter­es­sen­ten sehen bei der Suche die Durch­schnitts­be­wer­tung frü­he­rer Besu­cher für jedes Merk­mals, wodurch im Gegen­satz zu Hotels trans­pa­ren­ter ist, auf was sie sich als Gast ein­las­sen würden.

Bewer­tungs­sys­s­tem @airbnb

Das Bewer­tungs­sys­tem und die Com­mu­nity um die Platt­form soll­ten in ihren Aus­wir­kun­gen nicht unter­schätzt wer­den. Sie schaf­fen einer­seits eine bes­sere Trans­pa­renz über das Ange­bot, als es bei Hotels der Fall ist. Ande­rer­seits füh­ren sie zu einer bestän­di­gen Aus­hand­lung von grund­le­gen­den Stan­dards. Meine Beob­ach­tung ist, dass dadurch das Niveau der Ange­bote ange­ho­ben wird.

Blinde Fle­cken im System

Trotz Bewer­tungs­sys­tem und Com­mu­nity gibt es blinde Fle­cken der Platt­form. So exis­tie­ren bei­spiels­weise Anbie­ter, die ganze Häu­ser auf­kau­fen und die Zim­mer in einem Stil anbie­ten, der einem Hos­tel gleicht. Diese Anbie­ter soll­ten natür­lich die Regeln der klas­si­schen Kate­go­rie Hos­tel ein­hal­ten. Die Masse der Ange­bote auf Airbnb fal­len jedoch nicht in die klas­si­schen Kate­go­rien, wes­halb ich dafür plä­diere auf die Kräfte der Com­mu­nity und des Bewer­tungs­sys­tems zu ver­trauen. Ver­trauen ist näm­lich eine wesent­li­che Res­source im Inter­net. Wenn Nut­zer mit einem Ange­bot unzu­frie­den sind, dann zie­hen sie zum nächs­ten, wes­halb Airbnb und andere Anbie­ter aus Eigen­nutz ein gro­ßes Inter­esse haben, Ver­trauen nicht zu enttäuschen.

Balance zwi­schen Ver­trau­ens­vor­schuss und Kontrolle

Das Bei­spiel Airbnb zeigt, die Sharing-Ökonomie schafft es durch Ele­mente des Web 2.0 (Bewer­tung, Kom­men­tar, Com­mu­nity) ziem­lich gut, selbst sehr trans­pa­rente Regeln auf­zu­stel­len. Diese sind zu den indi­vi­du­el­len Bedürf­nisse der Nach­fra­ger pas­sungs­fä­hi­ger, als es staat­li­che Regeln je sein könn­ten. Den­noch gibt es blinde Fle­cken, wo staat­li­che Regeln durch­aus Sinn machen. Ich möchte des­halb vor zu viel staat­li­che Regu­lie­rungs­wut war­nen, da sie Inno­va­tio­nen töten. Statt­des­sen soll­ten wir die Fol­gen der Inno­va­tio­nen beob­ach­ten und bei nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen Nach­jus­tie­run­gen prüfen.

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