Enterprise 2.0

Ein Blog über den Einsatz von Social Media in Organisationen

Wie bearbeitet Enterprise 2.0 die Informationsüberflutung durch E-Mail usw.?

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Im letz­ten Arti­kel erklärte ich, dass in Unter­neh­men, wo Enter­prise 2.0 ein­ge­setzt wird, pri­mär infor­melle Kom­mu­ni­ka­tion ver­mehrt trans­pa­rent wird. Dies bedeu­tet, der Kaf­fee­klatsch und die Gesprä­che beim Mit­tags­tisch sind teil­weise für alle Mit­ar­bei­ter ein­seh­bar. Neue For­men der Zusam­men­ar­beit ent­stan­den, da die Fak­to­ren Zeit und Raum in ihrer Bedeu­tung ein­ge­schränkt wer­den. So kön­nen z.B. meh­rere Mit­ar­bei­ter eines Unter­neh­mens an einer Dis­kus­sion in einem Videochat teil­neh­men, obwohl sie sich nicht am glei­chen Ort befinden. Die Mög­lich­keit mit jedem Mit­ar­bei­ter  im Enter­prise 2.0 zu kom­mu­ni­zie­ren, führt zu einem Abbau der Begren­zun­gen zwi­schen den Silos und den Hier­ar­chien. In einem mei­ner Inter­views meinte ein Mit­ar­bei­ter, er könne über das soziale Intra­net „Infor­ma­ti­ons­blitze“ sen­den, was frü­her nicht gegan­gen wäre. Als Folge der extre­men Aus­wei­tung der Kom­mu­ni­ka­tion kommt es zu einer Infor­ma­ti­ons­über­flu­tung, die bear­bei­tet wer­den muss.

Der moderne Atlas — Infor­ma­ti­ons­über­flu­tung cc Mar­tin Springer

Die zen­trale Frage der Mit­ar­bei­ter in „tra­di­tio­nel­len“ Orga­ni­sa­tio­nen, die Medien des Web 1.0 und 2.0 nicht im gro­ßen Umfang ein­set­zen, war: Soll mehr trans­pa­rent kom­mu­ni­ziert wer­den? Diese Frage wan­delt sich durch den inten­si­ven Ein­satz der neuen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien zu: Wann soll Kom­mu­ni­ka­tion trans­pa­rent werden?

Schon im Web 1.0 herrschte eine Infor­ma­ti­ons­über­flu­tung. Die Dis­kus­sio­nen um die E-Mailflut ver­deut­licht dies sehr gut. Web 2.0 stei­gert einer­seits die Infor­ma­ti­ons­über­flu­tung erneut und bear­bei­tet diese ande­rer­seits. Diese Gleich­zei­tig­keit ist ein Grund, warum Enter­prise 2.0 nicht so leicht zugäng­lich ist und die Poten­ziale oft nicht erkannt werden. 

Hier sol­len vier Mög­lich­kei­ten der Bear­bei­tung des Pro­blems der Infor­ma­ti­ons­über­flu­tung durch Enter­prise 2.0 auf­ge­zeigt wer­den. In wei­te­ren Arti­keln werde ich diese noch genauer erklären:

1. Neue Steue­rungs­op­tio­nen von Kom­mu­ni­ka­tion:
Kom­mu­ni­ka­tion wird im Enter­prise 2.0 anders gesteu­ert, als es bis­her der Fall war. Die trans­pa­rente Kom­mu­ni­ka­tion in den Web 2.0-Anwendungen unter­bin­det alte Ver­fah­ren der Steue­rung, wie das Vor­ent­hal­ten von Infor­ma­tio­nen. Es ent­ste­hen jedoch neue Steue­rungs­mög­lich­kei­ten durch Enter­prise 2.0. Dazu gehört,

  • dass Infor­ma­tio­nen leich­ter gesam­melt und aus­ge­wer­tet wer­den können
  • dass Ein­stell­op­tio­nen der Web 2.0-Anwendungen erheb­li­che Poten­ziale der Steue­rung aufweisen 
  • dass die Art und Weise der Nut­zung von Enter­prise 2.0 beein­fluss­bar ist 

2. Ein­schät­zung der Rele­vanz von Pro­ble­men und Infor­ma­tio­nen
Durch den Ein­satz von Enter­prise 2.0 ist es leich­ter für Mit­ar­bei­ter ein­zu­schät­zen, wel­che Rele­vanz eine Infor­ma­tion oder ein Pro­blem für die eigene Arbeit hat. Die Anwen­dun­gen hel­fen bei der Auf­gabe, die Kom­ple­xi­tät, wel­che durch die Infor­ma­ti­ons­über­flu­tung ver­ur­sacht wird, zu redu­zie­ren. Dadurch kön­nen leich­ter Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den. Das Ver­deut­li­chen der Rele­vanz durch Web 2.0-Anwendungen gelingt durch ein Wech­sel­spiel von tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten und der sozia­len Nut­zungs­pra­xis der Anwen­der. Durch Funk­tio­nen, wie das Abstim­men, Kom­men­tie­ren oder Tei­len von Bei­trä­gen wird Rele­vanz durch die­ses Wech­sel­spiel der tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen und den Pra­xen der Nut­zer erzeugt. Das Schaf­fen von Rele­vanz ist eine Bear­bei­tungs­stra­te­gie der Infor­ma­ti­ons­über­flu­tung und gleich­zei­tig ein Trei­ber für abtei­lungs– und hier­ar­chie­über­grei­fende Kommunikation.

Die Schaf­fung von Rele­vanz und die Steue­rung von Kom­mu­ni­ka­tion ste­hen der trans­pa­ren­ten Kom­mu­ni­ka­tion nicht grund­sätz­lich ent­ge­gen. Trans­pa­renz wird nicht ver­min­dert, son­dern ledig­lich bear­bei­tet. Dies ist beim Stre­ben nach effi­zi­en­ter Kom­mu­ni­ka­tion anders.

3. Die effi­zi­ente Kom­mu­ni­ka­tion
Meine Empi­rie zeigt, dass intrans­pa­rente Kanäle gewählt wer­den, weil der schnel­len Lösung eines Pro­blems eine grö­ßere Prio­ri­tät zuge­mes­sen wird, als  der trans­pa­ren­ten Kom­mu­ni­ka­tion im Enter­prise 2.0.

4. Abwä­gung der Mög­lich­kei­ten und Gefah­ren der trans­pa­ren­ten Kom­mu­ni­ka­tion
Eine wei­tere Ein­schrän­kung der trans­pa­ren­ten Kom­mu­ni­ka­tion erfolgt durch das Abwä­gen der Mög­lich­kei­ten und Gefah­ren der Kom­mu­ni­ka­tion im Enter­prise 2.0. Nicht alle Mit­ar­bei­ter haben Vor­teile durch die trans­pa­rente Kom­mu­ni­ka­tion, wes­halb sie ihre Mög­lich­kei­ten nut­zen, um diese zu ver­hin­dern. Dies betrifft beson­ders mitt­lere Hier­ar­chie­ebe­nen, die durch Enter­prise 2.0 kom­mu­ni­ka­tiv umgan­gen wer­den kön­nen. Für Vor­ge­setzte sind unge­fil­terte Infor­ma­tio­nen eine poten­zi­elle Gefahr, die von unten nach oben lau­fen, wohin­ge­gen für hohe Hier­ar­chie­ebe­nen diese Infor­ma­tio­nen als Seis­mo­graph für die Stim­mung in der Mit­ar­bei­ter­schaft die­nen kön­nen. Diese Kon­stel­la­tion hat zur Folge, dass unter Umstän­den nicht alle The­men im Enter­prise 2.0 ein­ge­stellt wer­den. Dies hängt ab vom geleb­ten Umgang der Orga­ni­sa­tion mit Feh­lern. In der Empi­rie lässt sich rekon­stru­ie­ren, dass durch den Ein­satz von Enter­prise 2.0 deut­lich mehr Pro­bleme behan­delt wer­den, die nicht inner­halb eines Teams bzw. einer Abtei­lung gelöst wer­den kön­nen. Neben klei­nen Pro­ble­men ste­hen dem­nach auch große Pro­bleme im Fokus.

Zusam­men­fas­sung: In die­sem Arti­kel wur­den vier Reak­tio­nen auf die Infor­ma­ti­ons­über­flu­tung auf­ge­zeigt, die durch den Ein­satz von Enter­prise 2.0 einer­seits ver­stärkt und ande­rer­seits bear­bei­tet wird. Dabei unter­schei­den sich die Reak­tio­nen durch die Aus­wir­kung auf die trans­pa­rente Kom­mu­ni­ka­tion im Enter­prise 2.0. Die bis­he­ri­gen Aus­füh­run­gen waren sehr theo­re­tisch, wes­halb die ein­zel­nen Punkte in den nächs­ten Bei­trä­gen genauer erklärt werden.

 

 

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